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Die fünf Chorfenster

Das von der Magdeburger Künstlerin Maren Magdalena Sorger entworfene und von der Paderborner Glaswerkstatt Peters in der Technik der Floatglasmalerei umgesetzte Kunstwerk ist Altarbild und Fenster zugleich. Der Chorraum wird durch das Farbspiel der Fenster zum warmen und hellen Lichtraum, die Texte, die figürlichen und abstrahierenden Formen laden zum "betrachtenden Schauen" ein, wie es die Künstlerin selbst einmal betont hat. Auch wenn jedes Fenster für sich steht, bilden sie zusammen eine Ein­heit, deren Grundgedanke die "Herrlichkeit Gottes" in Beziehung zur "Sehnsucht des Menschen" versucht auszudrücken. "Lass mich doch deine Herrlichkeit sehen" - so heißt es im linken Chorfenster. Diese Bitte des Mose im biblischen Buch Exodus bringt das Grundthema der Fenster auf den Punkt. Die folgenden Bild­interpretationen mit einleitenden Versen von Olaf Karlson sind keine festgelegten Ausdeutungen, sondern sollen zur je eigenen Sichtweise einladen.
 
"Dein Name Herr allein als Beweis deiner Gegenwart genügt"
 
Das Mittelfenster wird von einem tiefen Goldton geprägt. Gold ist in der christlichen Ikonographie ein Hinweis auf die Gegenwart und Herrlichkeit Gottes. Inmitten des Goldes erscheint in hebräischen Schriftzeichen das Wort "Jahwe", der jüdische Gottesname. Dieser Name verbindet uns Christen mit der langen Tradition des Volkes Israel. Die Geschichte von Gotteserfahrungen beginnt weit vor dem Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi. Damit zeugt dieses Fenster auch von einer bleibenden Verbindung zwischen Christen und Juden. Die horizontal verlaufende Linie in der Mitte des Fensters trennt Gottes Name von den suchenden Händen der Menschen. Doch die Farben zeigen ganz deutlich, dass in "goldenen Händen" von Menschen Gottes Herrlichkeit auch auf dieser Erde spür- und erfahrbar sein kann. Zugleich zieht sich das Blau unseres irdischen Kosmos in die goldenen Welt von Gottes Gegenwart. Irdisches Sein und Ewigkeit begegnen sich.
  

"Der Ruf meiner geöffneten Hände lässt den Stern des Lebens aufleuchten".

Schaut man auf das erste Fenster links neben dem Mittelfenster, so ist zu erkennen, dass sich der Goldton langsam in "Wüstengelb" wandelt. Doch dieses Gelb der Wüste wird aufgebrochen und goldene Adern durchziehen das Bild. In der Wüste des Menschen erscheint Gott selber, indem Jesus, der Sohn Gottes, Mensch wird. Diese Menschwerdung verkündet uns der Stern im oberen Teil des Fensters. Die blauen Streifen, die auch in den anderen Fenstern zu finden sind, lassen uns in der Wüste dieser Welt den Durchbruch zum Himmel erahnen und ansatzweise im irdischen Leben schauen.

"Deine Berührung nimmt mir den Schleier"

Das Fenster ganz links erzählt von der Sehnsucht des Menschen und dem segenspendenden Gott. Texte von Augustinus und Gertrud von Helfta sowie der Psalm 63 stimmen in dieses Thema ein. Im oberen Teil des Fensters ist ein Regenbogen angedeutet, das alttestamentliche Zeichen für den Bund Gottes mit den Menschen. Aus diesem streckt sich die geöffnete Hand Gottes, der Segen fällt gleichsam aus der Hand heraus. Der Segensstrom ergießt sich in direkter Linie in eine Muschel und wird dort in der kostbaren Perle sichtbar. Diese Linie zwischen Hand und Muschel wird von einer runden Scheibe durchbrochen, deren Form vielfältigste Ausdeutung zwischen Schießscheibe und Monstranz, Sonne und Spinnennetz zulässt. Der Kreis zieht das Auge in den Mittelpunkt wie ein Mandala und bringt zugleich eine rotierende Bewegung in das Gesamtfenster. Die "Quadratur des Kreises" des Menschen zwischen Sehnsucht und Erfüllung wird hier auf den Punkt gebracht. Auf diesem Hintergrund bekommen Perle und Muschel noch eine weitere Bedeutung. So wie ein Sandkorn, das sich in das lebende Fleisch der Muschel bohrt, Schmerz bereitet, von der Muschel aber angenommen und mit Perlmutt umkleidet zu einer wertvollen Perle wird, so kann auch die Vielfalt des Lebens zu einem wertvollen Schatz werden. Gottes Herrlichkeit kann sich auch hinter harter Schale verbergen.

"Im braunen Blatt fallt uns der Herbst dieser Welt entgegen dein Wort aus der Höhe bleibt beizeiten Rätsel doch Aufgabe zugleich"

Das erste Fenster rechts führt in die Spannung menschlichen Lebens zwischen Streben nach Unendlichkeit und Größe sowie der Realität des Todes und Vergehens. Die Unendlichkeit ist in der Buchrolle mit dem mathematischen Unendlichkeitszeichen dargestellt, die Endlichkeit in den satten Herbstfarben und dem fallenden Blatt. Das Mühen des Menschen kommt in den nichtzudeutenden Schriftzeichen an ein Ende. Es gibt für ihn unüberschreitbare Grenzen. Andererseits fällt das absterbende Blatt nicht in ein Nichts, es ist aufgefangen und lebt in den Gedanken und Gebeten der Menschen weiter und wird so zu Gott getragen. Diese Hoffnung gilt auch den Menschen.

"In den sandigen Windrosen der Glückseligkeit prozessiert fröhlich die Ameise"

Das zweite Fenster auf der rechten Seite spricht von der Herrlichkeit Gottes, die im Mikrokosmos und im Makrokosmos der Welt erfahrbar ist. Spiralnebel im oberen Fenster stehen für die erhabene Größe des Alls, die Ameise für die bis ins Kleinste durchstrukturierte Schöpfung. Der Mensch ist in diese Welt hineingestellt und aufgefordert, sie mit seiner Fantasie und Kreativität zu gestalten. Dafür steht der Kirchengrundriss in der Mitte des Fensters, der zugleich für den Bauplan einer neuen Kirche, aber auch für eine verlassene Ruine stehen kann. Die diesem Fenster zugeordneten Texte stehen für Gotteserfahrungen, die im Kleinen wie im Großen in allen Völkern und Religionen möglich sind.  
 
Die fünf Chorfenster thematisieren, wie Gott und Mensch aufeinander bezogen sind. Vom christlichen Glauben her wird die Aussage der Fenster erst durch die Beziehung zum Altarkreuz mit dem leidenden und schwebenden Christus stimmig. Jesus Christus gibt Gott ein Gesicht und ist zugleich menschlicher Ansprechpartner. Beide Kunstwerke sind somit aufeinander bezogen.