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Die fünf Chorfenster
Das
von der Magdeburger Künstlerin Maren Magdalena Sorger entworfene
und von der Paderborner Glaswerkstatt Peters in der Technik der
Floatglasmalerei umgesetzte Kunstwerk ist Altarbild und Fenster
zugleich. Der Chorraum wird durch das Farbspiel der Fenster zum warmen
und hellen Lichtraum, die Texte, die figürlichen und abstrahierenden
Formen laden zum "betrachtenden Schauen" ein, wie es die Künstlerin
selbst einmal betont hat. Auch wenn jedes Fenster für sich steht,
bilden sie zusammen eine Einheit, deren Grundgedanke die
"Herrlichkeit Gottes" in Beziehung zur "Sehnsucht des
Menschen" versucht auszudrücken. "Lass mich doch deine
Herrlichkeit sehen" - so heißt es im linken Chorfenster. Diese
Bitte des Mose im biblischen Buch Exodus bringt das Grundthema der
Fenster auf den Punkt. Die folgenden Bildinterpretationen mit
einleitenden Versen von Olaf Karlson sind keine festgelegten
Ausdeutungen, sondern sollen zur je eigenen Sichtweise einladen. "Der Ruf meiner
geöffneten Hände lässt den Stern des Lebens aufleuchten". Schaut
man auf das erste Fenster links neben dem Mittelfenster, so ist zu
erkennen, dass sich der Goldton langsam in "Wüstengelb"
wandelt. Doch dieses Gelb der Wüste wird aufgebrochen und goldene Adern
durchziehen das Bild. In der Wüste des Menschen erscheint Gott
selber, indem Jesus, der Sohn Gottes, Mensch wird. Diese Menschwerdung
verkündet uns der Stern im oberen Teil des Fensters. Die blauen
Streifen, die auch in den anderen Fenstern zu finden sind, lassen uns in
der Wüste dieser Welt den Durchbruch zum Himmel erahnen und ansatzweise
im irdischen Leben schauen. "Deine
Berührung nimmt mir den Schleier" Das
Fenster ganz links erzählt von der Sehnsucht des Menschen und dem
segenspendenden Gott. Texte von Augustinus und Gertrud von Helfta
sowie der Psalm 63 stimmen in dieses Thema ein. Im oberen Teil des
Fensters ist ein Regenbogen angedeutet, das alttestamentliche Zeichen für
den Bund Gottes mit den Menschen. Aus diesem streckt sich die geöffnete
Hand Gottes, der Segen fällt gleichsam aus der Hand heraus. Der
Segensstrom ergießt sich in direkter Linie in eine Muschel und wird
dort in der kostbaren Perle sichtbar. Diese Linie zwischen Hand und
Muschel wird von einer runden Scheibe durchbrochen, deren Form vielfältigste
Ausdeutung zwischen Schießscheibe und Monstranz, Sonne und Spinnennetz
zulässt. Der Kreis zieht das Auge in den Mittelpunkt wie ein Mandala
und bringt zugleich eine rotierende Bewegung in das Gesamtfenster. Die
"Quadratur des Kreises" des Menschen zwischen Sehnsucht und
Erfüllung wird hier auf den Punkt gebracht. Auf diesem Hintergrund
bekommen Perle und Muschel noch eine weitere Bedeutung. So wie ein
Sandkorn, das sich in das lebende Fleisch der Muschel bohrt, Schmerz
bereitet, von der Muschel aber angenommen und mit Perlmutt umkleidet zu
einer wertvollen Perle wird, so kann auch die Vielfalt des Lebens zu
einem wertvollen Schatz werden. Gottes Herrlichkeit kann sich auch
hinter harter Schale verbergen. "Im
braunen Blatt fallt uns der Herbst dieser Welt entgegen dein Wort aus
der Höhe bleibt beizeiten Rätsel doch Aufgabe zugleich" Das
erste Fenster rechts führt in die Spannung menschlichen Lebens zwischen
Streben nach Unendlichkeit und Größe sowie der Realität des Todes und
Vergehens. Die Unendlichkeit ist in der Buchrolle mit dem mathematischen
Unendlichkeitszeichen dargestellt, die Endlichkeit in den satten
Herbstfarben und dem fallenden Blatt. Das Mühen des Menschen kommt in
den nichtzudeutenden Schriftzeichen an ein Ende. Es gibt für ihn unüberschreitbare
Grenzen. Andererseits fällt das absterbende Blatt nicht in ein Nichts,
es ist aufgefangen und lebt in den Gedanken und Gebeten der Menschen
weiter und wird so zu Gott getragen. Diese Hoffnung gilt auch den
Menschen. "In
den sandigen Windrosen der Glückseligkeit prozessiert fröhlich die
Ameise" Das
zweite Fenster auf der rechten Seite spricht von der Herrlichkeit
Gottes, die im Mikrokosmos und im Makrokosmos der Welt erfahrbar ist.
Spiralnebel im oberen Fenster stehen für die erhabene Größe des Alls,
die Ameise für die bis ins Kleinste durchstrukturierte Schöpfung.
Der Mensch ist in diese Welt hineingestellt und aufgefordert, sie mit
seiner Fantasie und Kreativität zu gestalten. Dafür steht der
Kirchengrundriss in der Mitte des Fensters, der zugleich für den
Bauplan einer neuen Kirche, aber auch für eine verlassene Ruine stehen
kann. Die diesem Fenster zugeordneten Texte stehen für
Gotteserfahrungen, die im Kleinen wie im Großen in allen Völkern und
Religionen möglich sind. |
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